Rundgang durch unsere Pfarrkirche

Herzlich Willkommen in unserer Pfarrkirche St. Johannes Evangelist in Bad Westernkotten. Wir freuen uns, Sie auf einen Rundgang durch unsere Kirche mitzunehmen, damit Sie die Sehenswürdigkeiten unserer Kirche kennen lernen können.
Bevor wir das Innere unserer Pfarrkirche betreten, wollen wir unseren Rundgang mit dem Kirchturm beginnen:
Eindrucksvoll empfängt uns der 26 Meter hohe Turm auf dem Kirchplatz. Er stammt noch von der ehemaligen Kirche von Westernkotten, die 1976 abgerissen wurde. Nach den als Zahlen ausgebildeten Ankern an der Westseite des Turms, oberhalb des Barockportals, ist der Turm im Jahre 1699 (neu) errichtet worden.
Auf der Ostseite des Turms sieht man den zugemauerten Bogen, der von der Orgelempore aus das Kirchenschiff der alten Kirche umfasste.
Der Turm ist auch heute noch der Glockenturm der neuen Kirche und enthält drei Glocken und einen eisernen Glockenstuhl. Die drei Glocken sind Christus, der Gottesmutter und dem Kirchenpatron geweiht.
Der Turm wurde 1997 grundlegend renoviert.

- Portal der Turmkapelle
Das barocke Turmportal ist rundbogig mit Pfeilereinfassung. Es ist 1913 genau nach dem alten Vorbild erneuert worden. Die Inschrift lautet
“In honoreM DIVI IoannIs e VangeLIstae patronI VVesternkottenses pIeXtrVI feCerVnt“
Zu Ehren des heiligen Evangelisten Johannes, des Kirchenpatrons, haben die Westernkötter diese Kirche in Demut errichtet.
Die Großbuchstaben sind gleichzeitig als römische Zahlen zu lesen, die auf das Baujahr 1699 hinweisen.
Über dem Portal steht in einer als Muschel ausgeführten Figurennische das in Sandstein gehauene Bild des Evangelisten Johannes, in wallendem Gewand mit einem Kelch in den Händen.
Der Schlussstein des eigentlichen Portals zeigt einen Engelskopf, darunter ein Wappen, das einen Sälzer- oder Pfannenhaken enthält.
Gehen wir nun durch das Portal ins Innere des Kirchturms.
Der Innenraum beherbergt eine Marienkapelle. Hier steht eine wertvolle Pietá aus dem frühen 17. Jahrhundert. Die Fenster im Turm, vom Essener Künstler Nikolaus Bette gestaltet, zeigen Mariä Verkündigung, Mariä Heimsuchung, die Geburt Jesu und die Verehrung Jesu und seiner Mutter durch die Heiligen Drei Könige.
Nachdem wir uns die Turmkapelle angeschaut haben, wollen wir jetzt unserer Rundgang in der Pfarrkirche fortsetzen. Viele Altäre und Einrichtungsgegenstände stammen noch aus der alten Kirche und sind zum Teil aufwändig restauriert worden.

- Bild 1: Hochaltar
Eindrucksvoll ist der neugotische Hochaltar (1), der 1884 von Wiedenbrücker Meistern geschnitzt wurde und in der neuen Kirche nur noch als Sakramentsaltar dient. Er war früher in der alten Kirche mit Goldbronze überstrichen, sodass von den Bildtafeln nicht viel zu sehen war. Beim Umzug in die neue Kirche wurde die Goldbronze abgebeizt und der eigentliche Aufbau in Natureiche wieder zum Vorschein gebracht. Die Tafeln und Figuren wurden geschmackvoll mit Farbe sichtbar gemacht. Man erkennt auf den Tafeln die Geburt Christi, die Kreuzigung Jesu und seine Auferstehung.
Der Tabernakel ist ein Kontrast zu den Farben der Bildtafeln und wurde von den Brüdern Winkelmann aus Möhnesee-Günne entworfen und hergestellt.
Vom Altarraum hat man einen herrlichen Blick auf die große Orgel (3) gegenüber auf der Orgelbühne. Die Orgel wurde von der Rietberger Firma Speith gebaut und im Februar 1996 feierlich eingeweiht. Sie verfügt über 22 Register, die auf drei Werke verteilt sind. Neun Register wurden von dem Vorgängerinstrument übernommen.
Der Zelebrationsaltar (2) ist quadratisch und von den Künstlern Michael und Christof Winkelmann aus rotem Sandstein gehauen. Er zeigt an den Ecken vier Themen aus dem Leben des Kirchenpatrons Johannes:
An der vorderen linken Ecke sieht man Jesus, Hand in Hand mit seinem Lieblingsjünger Johannes.
An der vorderen rechten Ecke sitzt Johannes mit Adler und Buch.
An der hinteren rechten Ecke ist Johannes mit einem Becher dargestellt, der eine Giftmischung, symbolisiert als Schlange, enthält.
An der hinteren linken Ecke sieht man Johannes in einem Kessel. Diese Darstellung knüpft an die Legende an, nach der Johannes in Rom zum Tode verurteilt und in einen Kessel mit siedendem Öl geworfen worden sein soll, dies aber unversehrt überstanden haben soll.

- Bild 2a: Zelebrationsaltar, vorne

- Bild 2b: Detailansicht

- Bild 3b: von hinten

- Bild 4: Taufbecken
Das Taufbecken (4) stammt aus dem Allagener Marmorwerk und wurde am 22. April 1894 erstmalig genutzt. In ihm werden die neuen Erdenbürger mit Bad Westernkötter Sole getauft.
Alle Fenster in der Kirche sind vom Glas- und Kunstmaler Nikolaus Bette aus Essen entworfen worden. Alle Darstellungen in den Fenstern beziehen sich auf den Evangelisten Johannes bzw. auf den Westernkötter Lobetag.
- Bild 5: Kreuzigung Jesu
Das erste Fenster (5) stellt die Kreuzigungsszene nach dem Johannes-Evangelium dar, in der Jesus seiner Mutter Johannes als Sohn übergibt.
Im ersten Joch steht der Johannesaltar (6). Er wurde 1898 errichtet und zeigt den Evangelisten Johannes auf der Insel Patmos, auf einem Stein sitzend, mit geöffnetem Buch und Federkiel. Im Buch ist Vers 4 aus dem 1. Johannesbrief in lateinischer Sprache zu lesen. Die Übersetzung lautet: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott.“
Über Johannes sieht man einen Adler, der dem Himmel zustrebt. Im Schnabel hält er ein wehendes Spruchband mit lateinischer Inschrift, dem Eröffnungsvers des Johannesevangeliums: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“
Im zweiten Joch steht der Elisabethaltar (8), der aus dem Elisabeth-Heim an der Aspenstraße stammt. Dort haben von 1921 bis 1962 Schwestern der armen Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach gewohnt. Der Altar ist Anfang der 1930er Jahr in der Westernkötter Schreinerei Schütte entstanden und am 14. Januar 2001 nach umfangreicher Restaurierung durch die den Anröchter Restaurator Josef Hoppe in der Kirche aufgestellt worden. Lins sieht man die Figur der Heiligen Elisabeth und rechts den Heiligen Franziskus von Assisi.

- Bild 8a: Elisabethstatue

- Bild 8b: Elisabethaltar

- Bild 8c: Franziskusstatue
- Bild 9: Apokalyptischer Reiter
Im nächsten Fenster (9) ist ein Motiv aus der geheimen Offenbarung des Johannes gewählt. Ein apokalyptischer Reiter soll an die schrecklichen Ereignisse des 30-jährigen Krieges erinnern, seit dem der Lobetag gefeiert wird. Aber sicher ist kann man auch an andere Kriege und Bedrohungen denken. In jedem Fall soll er zur Umkehr und Wachsamkeit mahnen.

- Bild 10: Beichtstuhl
Die Beichtstühle (10, 10a) stammen ebenfalls aus der alten Kirche und entstanden 1899.
Gegenüber, in der Nische am rechten Haupteingang befinden sich zwei historische Steintafen (11), die von der Entstehung Westernkottens berichten. Der noch lesbare Stein ist eine im Jahre 1900 angefertigte Abschrift des älteren Steins, der aus dem Jahre 1630 stammt. Die Übersetzung der lateinischen Inschrift lautet:
„Der Ursprung Westernkottens vor 200 Jahren.
Furchtbar wütete einst der grimmige Mars,
und Vulkanus raste von Haus zu Haus
mit fressender Flamme durch Aspen
Und durch zwei andere Dörfer,
da wechseln die Menschen die Heimstatt.
Nahe dem Salzquell, dem früher entdeckten,
baut man sich Häuser.
Als aber wieder Stürme des Krieges
sie bedrängten, die Habe wieder vertilgt ward,
errichtete man mit Fürst Ferdinands Hilfe
bergende Wälle und schloss auf Befehl
die schützenden Tore.
Im Jahre 1630.“
Der Text bezieht sich auf die Zerstörung der umliegenden Ortschaften in der Soester Fehde von 1444 und den Bau der Landwehr um das Dorf 1506.
Neben den Steintafeln steht eine Statue des Hl. Josef mit einem Stab in der rechten Hand, aus dem Lilienblüten wachsen. Eine Zimmermannsaxt ist an die Figur angelehnt.

- Bild 12: Lobetagsfenster

- Bild 13: Hochzeit von Kana
Auf dem Weg zurück nach vorne kommen wir am Lobetagsfenster (12) vorbei. Nur wenige Westernkötter überlebten 1635 eine große Pestepidemie. Aus Dank über ihre Rettung versprachen sie, alljährlich eine Lobprozession im Juli abzuhalten. Der Lobetag mit dem lesbaren Text des Lobetagsversprechen ist in diesem Fenster dargestellt.
Mädchen in historischen Trachten tragen eine Statue der Gottesmutter. Viele Prozessionsteilnehmer sind zu sehen, dazwischen der Priester mit der Monstranz unter einem Baldachin. Die Lobetagsprozession findet bis heute jedes Jahr am Sonntag nach dem 2. Juli statt.
Im nächsten Fenster (13) ist das erste Wunder nach dem Johannes-Evangelium, die Verwandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit von Kana dargestellt.
Eine örtliche Kostbarkeit stellt der Marienaltar (14) dar. Er ist nach dem alten Lobetagsbild von Wiedenbrücker Meistern entworfen und 1898 aufgestellt worden. Unter dem Schutzmantel der Madonna stehen die Überlebenden der großen Pest von 1635. Zu Füßen Mariens ist ein Spruchband mit der Aufschrift „O mater, duc tuos Westernkottenses“ (O Mutter, behüte deine Westernkötter) und am Kopf der Madonna ein Spruchband mit der Aufschrift „Ducam vos Westernkottenses“ (Ich will euch behüten, meine Westernkötter) zu sehen.
- Bild 15: Offenbarung des Johannes
Im letzten Fenster (15) wird eine Vision des Evangelisten Johannes aus der Offenbarung dargestellt. Eine Frau, die gebären soll, umkleidet mit der Sonne, zu ihren Füßen der Mond und über dem Kopf zwölf Sterne. Dazu ein Drachen mit sieben Köpfen und sieben Kronen, der diese Frau verschlingen will. Aber ein Engel führte die Frau in die Wüste, wo sie ihren Sohn zur Welt bringt. Die Frau gilt als Sinnbild des bedrohten Gottesvolkes des Alten und Neuen Bundes und wird auch auf Maria, das Urbild der Kirche, bezogen.
An den Wänden der Seitenkapelle (16) sind die 14 Stationen des Kreuzweges als Reliefs ausgeführt. Sie stammen aus dem Jahr 1964.
Das Herz-Jesu-Bild (17) an der Südseite der Seitenkapelle zeigt den auferstandenen Jesus mit den 5 Wundmalen auf einer Woke stehend. Das Bild wurde 1894 von dem Wiedenbrücker Meister Georg Goldkuhle gemalt.
Damit sind wir am Ende unseres kleinen Kirchenrundgangs. Wir hoffen, dass wir Ihnen die Kostbarkeiten und Kunstwerke in unserer Pfarrkirche etwas näher bringen konnten und laden Sie herzlich ein, diesen Rundgang demnächst in der Realität in unserer Pfarrkirche vorzunehmen.

