Der Friedhof von Bad Westernkotten
Der Sterbende, der diese Welt verlässt,
ergreift
... die erschaffende Hand des Schöpfers,
... die durchbohrte Hand des Gekreuzigten,
... die segnende Hand des Auferstandenen,
... und die rettende Hand des Herrn,
der ins Leben ruft.
(Aus dem "Totengebet" der Kirchengemeinde)
Zur Geschichte des Friedhofs in Bad Westernkotten
Die Einweihung des Friedhofs 1885
Am 21. September 1885 wurde in feierlicher Zeremonie der heutige Friedhof der katholischen Kapellengemeinde Westernkotten eingeweiht. Damit ging ein Wunsch der Westernkötter in Erfüllung, der sich nahtlos in das Bemühen einreiht, die kirchliche Unabhängigkeit von der Mutterpfarrei Erwitte zu erreichen.
Der Patriot berichtete damals:
„Westernkotten, 22. September 1885. Gestern ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Unser neuer Kirchhof wurde feierlich eingeweiht, und war die Betheiligung eine große. Die Weihe wurde vollzogen vom Herrn Dechanten Stratmann aus Horn, der zugleich in ergreifender Rede die Bedeutung einer solchen Feier auseinanderlegte. Er wies darauf hin, wie wichtig es für unsere Gemeinde sei, hier zu den Gräbern unserer Lieben hin eilen und an denselben für sie beten zu können. Die Decoration des Kirchhofes war mit viel Geschmack ausgeführt. Wie die Gemeinde die Wichtigkeit dieser Handlung auffaßte, bewies das Festtagsgewand, welches dieselbe anglegt hatte."
Das Grundstück von 50 Ar für den Friedhof wurde vom Salzsieder Franz Erdmann für 2700 Mark erworben, mit einer Hecke eingefriedet, planiert und eingeteilt.
Friedhofskreuz, erste Friedhofserweiterung, Ehren- und Soldatenfriedhof
Für 54 Mark wurde 1886 von der Lippstädter Firma A. Stackmann ein Friedhofskreuz errichtet, einen Christus-Korpus besorgte man für 20 Mark von der Kirchengemeinde Horn. 1925 wurde mit Pfarrer Ronnwinkel erstmals ein Pfarrer unserer Gemeinde auf dem Ehrenfriedhof für die Priester auf dem Rondell um das Friedhofskreuz beerdigt.
Anfang der 1940er Jahre mußte der Friedhof nach Süden erweitert werden. Diese erste Erweiterungsfläche hatte eine Größe von 1548 m². Nach dem 2. Weltkrieg wurde ein Ehrenfriedhof für die gefallenen Soldaten angelegt; 1967 wurden dort auch Gedenksteine für die Gefallenen des 1. Weltkrieges aufgestellt.
Zweite Friedhofserweiterung, Bau der Friedhofshalle und Entwicklung bis heute
Im Jahre 1975 kaufte die gerade erst gebildete Stadt Erwitte das Grundstück südlich des Friedhofes auf Drängen örtlicher Politiker. Es ist 7506 m² groß und wurde im Bebauungsplan als Gemeindebedarfsfläche ausgewiesen.
Anfang 1976 lag der Entwurf für eine Friedhofshalle, angefertigt von den Anröchter Architekten Günter Buddeus, vor, der in einer Bürgerversammlung der Gemeinde vorgestellt wurde. Die Stadt Erwitte konnte zusätzlich zu dem Kauf des Grundstücks keine Mittel für den Bau der Friedhofshalle zur Verfügung stellen. So wurde im Juni 1976 ein „Förderverein Friedhofshalle Bad Westernkotten“gegründet, dem folgende 7 Mitglieder angehörten: Paul Röwekamp (Vors.), Paul Gerling (Stellv.), Alfred Beste (Geschäftsführer), Friedhelm Hense (Kassenwart) sowie Theo Adämmer, Willi Ostermann und Franz Mintert. Dieser Verein hatte sich die Finanzierung der Baumaßnahme zur Aufgabe gemacht.
Im Herbst 1976 konnte mit den Bauarbeiten begonnen und kurz vor Weihnachten der Grundstein gelegt werden. Nach einjähriger Bauzeit übergab der Förderverein am 29. Oktober 1977 in einer Feierstunde die Friedhofshalle der Öffentlichkeit. Pfarrer Gersmann erteilte den kirchlichen Segen.
In der folgenden Zeit wurden auch die Grünflächen östlich und südlich der Halle und der Parkplatz im Südwesten des Grundstücks mit Hilfe der Stadt fertiggestellt. Ein separater Glockenturm folgte im Sommer 1978, in dem die alte Glocke aus dem Elisabethheim wieder zu Ehren kam. 1981 wurde ein Vorbau als Wind- und Regenschutz verwirklicht, im Herbst 1985 der Parkplatz geteert.
Da es nun drei Eigentümer gab (Pfarrgemeinde, Stadt Erwitte und Förderverein), bemühten sich die Verantwortlichen jahrelang um eine angemessene Lösung, die in einer neuen, umfassenden Friedhofs- und Gebührenordnung 1984 ihren Niederschlag fand. Darin ist u.a. ausgeführt, dass die Stadt Erwitte seit dem 18.1.1983 die 1975 erworbene Fläche Parzelle 151 (bis auf die Friedhofshalle) an die katholische Kirchengemeinde verpachtet hat.
Die Friedhofshalle steht nach Übergabe durch den Förderverein heute im Eigentum der Stadt Erwitte, die auch die Gebühren für die Nutzung der Halle erhält.
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Der Friedhof als Ort der Besinnung und des stillen Gedenkens
Die katholische Kirchengemeinde hat sich in den letzten Jahren bemüht, den Friedhof auch von der Gestaltung her zu einem Ort der Besinnung und des stillen Gebetes zu gestalten. Die knorrige alte Friedhofslinde hält schützend ihre mächtigen, weit ausladenden Äste über die Gräber, die Hainbuchenhecke und die Kopflinden, aber auch die weithin ansprechende Grabgestaltung machen das Areal zu einer „grünen Oase“. Eine Waschbetonmauer zur Straße Westerntor wurde im Jahre 2001 entfernt, auch hier begrenzt jetzt eine Hainbuchenhecke das Friedhofsgelände.
Zentrale Blickfänge auf dem Friedhof sind sicherlich das Hochkreuz mit den Priestergräbern, die Friedhofshalle mit dem mehrgiebeligen Dach sowie der Ehrenfriedhof für die Gefallenen der Kriege.
Jeden Tag im Jahr kann man Menschen auf dem Friedhof sehen, die die Grabstätte ihre Angehörigen liebevoll pflegen oder Blumen bringen und so den lieben Verstorbenen nahe sein können.
Beisetzungen
Bei Beisetzung eines Verstorbenen4 wird der Sarg in der Friedhofshalle aufgebahrt. In feierlicher Prozession geleiten Verwandte, Freunde und Bekannte den Verstorbenen zur letzten Ruhestätte. Zumeist sind es die Nachbarn, die den Sarg von der Friedhofshalle bis zur Grabstätte tragen. Selbstverständlich werden schon seit Jahrzehnten auch evangelische Christen auf dem Friedhof beerdigt; das Läuten der Totenglocke dafür übernimmt die katholische Kirchengemeinde. Bei den – seltenen – Bestattungen von Nichtchristen hält ein Laienprediger eine Ansprache am Sarg.
Da in den letzten Jahren auch zunehmend Menschen sterben, die zwar in Bad Westernkotten wohnen, aber hier praktisch keine Angehörigen haben, wie teilweise die Bewohner der beiden Seniorenheime, hat sich vor einigen Jahren ein sog. Raffaelsverein der Caritas gegründet, dessen Mitglieder unter anderem am Trauergottesdienst und bei der Beisetzung dieser Verstorbenen anwesend sind.5 Ebenfalls seit einigen Jahren sind auf dem Friedhof anonyme Grabstätten angelegt worden, wo nur Rasen eingesät wird.
Eine Besonderheit stellen die Urnenbeisetzungen dar. Sie nehmen seit einigen Jahren mehr und mehr zu. Dies hat im Wesentlichen mit der Grabpflege zu tun: Die Kinder und Verwandten wohnen häufig nicht mehr im Ort oder sehr weit entfernt, so dass sie die Grabpflege nicht oder nur schwerlich übernehmen können. Oder es sind gar keine Kinder oder Angehörige vorhanden, so dass eine Grabplatte über einem Urnengrab keine Pflegeprobleme mehr aufwirft. Das Urnenfeld auf unserem Friedhof befindet sich in der Nähe des Glockenturmes.
Bei einer Urnenbeisetzung gibt es zwei Formen. Einmal kann der Wortgottesdienst in der Friedhofshalle wie auch bei der Leichenbestattung mit dem aufgebahrten Leichnam erfolgen, der am Schluss dann durch ein feierliches Spalier zum Leichenwagen geleitet wird, der dann den Leichnam im Sarg zur Verbrennung nach Bielefeld oder Dortmund fährt. Wenn die Urne dann zur Kirchengemeinde zurückgelangt ist, findet die eigentliche Beisetzung dann nochmals im feierlichen Rahmen mit Beteiligung des Priesters statt. Dabei trägt der jeweilige Leichenbestatter das Metallgefäß mit der Asche des Verstorbenen voran. Diese Urne wird dann in Steingefäß eingelassen.
Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass der Leichnam zunächst ohne besondere Feier zum Krematorium gefahren wird und Gottesdienst und Beisetzung dann unmittelbar aufeinander folgen.
Allerheiligen
Besonders im Mittelpunkt steht der Friedhof am Fest Allerheiligen. Um 15 Uhr beginnt ein feierlicher Wortgottesdienst mit Predigt in der Friedhofshalle. Dabei werden namentlich alle Verstorbenen des vergangenen Jahres noch einmal erwähnt. In der Mitte der Friedhofshalle wird in Kreuzform für jeden Verstorbenen ein Licht entzündet. Nach dem Besuch der Priestergräber geht der Pfarrer zu jedem einzelnen Grab durch alle Reihen, wo die Angehörigen warten und der Segnung der Gräber beiwohnen.



